Mein Ostfriesland
Alfred bekker
Eindrücke und meine persönliche Beziehung zu Ostfriesland
Dass ich Ostfrieslandkrimis schreibe, hat etwas mit meinem familiären Hintergrund zu tun. Ich habe selbst nie in Ostfriesland gewohnt, war aber oft zu Besuchen bei meinen Großeltern dort und im Urlaub.
Am Großen Meer lernte ich als Junge das Segeln. Später bin ich mit meiner eigenen Familie dorthin in die Ferien gefahren.
Meine ersten Erinnerungen an Ostfriesland haben mit meinen Großeltern zu tun. Sie sprachen Plattdeutsch und das klang interessant für mich. Gleichzeitig fremdartig und vertraut. Wenn man sich etwas hineinhörte, konnte man es mit der Zeit gut verstehen.
Meine Familie stammt väterlicherseits aus Ostfriesland. Mein Vater wurde 1925 in dem Warftendorf Rysum geboren.
Er hatte als kleines Kind, das gerade seine ersten Schritte aus dem Haus machte,
immer das Gefühl, gleichgültig, in welche Richtung er geht, er kommt letztlich immer wieder zu Hause an. Das lag daran, dass die einzige Straße um das Dorf, an der alle Häuser lagen, im Kreis führte.
Mein Großvater war Lehrer. Die Familie zog von Rysum nach Wybelsum. An der dortigen Schule war mein Großvater Lehrer und mein Urgroßvater der Schulleiter.
Die Villa, die der Familie als Lehrerdienstwohnung bezog, steht heute noch. Sie gehört jetzt einer Spedition.
Einmal gewann mein Großvater in Emden beim Glücksspiel ein Fahrrad.
Meinem Urgroßvater gefiel das nicht. Er hielt Glücksspiel für unchristlich. Darum musste mein Großvater das Fahrrad schließlich auf seinen Druck hin zurückgeben. So war das Verhältnis der Generationen damals eben.
Mein Urgroßvater war moralisch gesehen ein Pendant. Mein Großvater entwickelte sich in
Opposition dazu zu einem Freigeist, der in jeder Hinsicht gerne mal fünf gerade sein ließ. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kamen dann beide in Schwierigkeiten.
Der eine, weil er es moralisch so genau nahm und der andere, weil er so freigeistig war und zeitlebens Schwierigkeiten damit hatte, sich anderen unterzuordnen. Die örtliche SA zertrümmerte den beiden Volksschullehrern die Rechtschreib-Karteikästen und verwüstete ihre Klassenräume.
Die Polizei griff nicht ein
und ermittelte auch nicht. Mein Urgroßvater war aus Sicht der neuen Machthaber durch sein langjähriges Engagement für die Sozialdemokraten als Schulleiter untragbar. Er wurde daher in den vorzeitigen Ruhestand versetzt und damit aus dem Schuldienst genommen. Mein Großvater wurde an die Schule in Twixlum versetzt. Die Familie, in die im Laufe der Zeit fünf Söhne hineingeboren wurden, musste aus der geräumigen Villa in Wybelsum ausziehen und in ein sehr viel kleineres Haus wechseln, das als Dienstwohnung des Lehrers diente.
Nach dem Krieg machte die britische Militärregierung meinen Großvater zum Bürgermeister von Twixlum. Zunächst geschah dies im Rahmen einer Dienstverpflichtung. Die Militärregierung suchte jemanden, der kein Nazi gewesen war und Hochdeutsch sprach. Das traf beides auf meinen Großvater zu. Bis zur Eingemeindung Twixlums in den 1970ern wurde er dann in den Kommunalwahlen über Jahrzehnte hinweg immer wieder in seinem Amt bestätigt.
In Twixlum gibt es bis heute eine Theda-Straße. Diese Straße ist nach meiner Großmutter benannt. Sie entstand nämlich durch die von meinem Großvater organisierte Eigeninitiative der Twixlumer.
Dass diese Straße nach ihm benannt wird, wollte mein Großvater nicht, so trug sie dann den Namen seiner Frau. Twixlum gehört heute zum Gebiet der Stadt Emden, in der es damit noch eine zweite Thedastraße gibt.
Diese Namensgebung bezieht sich allerdings auf eine Gräfin namens Theda.
In Ostfriesland nennt man das Meer die See. Und das, was man überall sonst in Deutschland unter einem See im Sinne von Binnensee versteht, nennt man ein Meer Eines dieser Meere ist das sogenannte Große Meer. Dort habe ich als Kind in den Ferien das Segeln
gelernt.
Später sind wir im Urlaub immer wieder dorthin zurückgekehrt, um zu segeln. Als Kind bin
ich zusammen mit meinem Vater losgefahren, später mit meinem Sohn oder zusammen mit meinem Vater und meinem Sohn. Mein Sohn sagte dann ‘Generationen segeln’ dazu. Das Große Meer und der dazugehörige Campingplatz sowie die angrenzenden Kanäle und Tiefs bildeten immer wieder Tatorte und Schauplätze meiner Kriminalromane.
So wird in dem Buch ‘Eine Kugel für Lorant’ das erste Opfer unmittelbar in der Nähe des Yachthafens ermordet. Und auch die an der gegenüberliegenden Seite des Großen Meeres liegende Pension in der Lorant unterkommt, hat ein reales Vorbild.
Mein Vater und ich machten eines Tages so eine Bootstour durch die an das Große
Meer angrenzenden Kanäle und Tiefs, auf dem Rückweg kurz bevor das Knockster Tief in das
Große Meer einmündet, sahen wir den Gasthof mit Pension und Bootsanleger.
Mein Vater schlug vor, dort vor unserer Rückkehr noch einzukehren. Also legten wir an und setzten uns in die Wirtsstube. Die ältere Dame,die das Geschäft führte, gab jedem von uns eine Karte. Wir wählten jeder etwas aus, aber die Wirtin sagte uns, das gerade dies nun aus sein.
Ich habe aber Kartoffelsalat mit Bockwurst, fügte sie noch hinzu. Wenn sie noch schauen wollen... Wir schauten noch und entschieden uns schließlich für ein anderes Gericht. Nee, das sei auch zur Zeit ausverkauft. Aber sie hätte noch Kartoffelsalat mit Bockwurst. Schließlich stellte sich heraus, sie hatte nur Kartoffelsalat mit Bockwurst und alle anderen Gerichte waren ausverkauft. Das nahmen wir dann schließlich auch.
Diese etwas eigentümliche Wirtin und ihre Pension habe ich in mehrere meiner Ostfrieslandkrimis eingebaut. So wie auch viele andere kleine Geschichten, die mir dort im Laufe der Zeit widerfahren sind.
Exklusives Bildmaterial zum Buch
Das große Meer
Das Titelbild
Ein Blick aus dem Landhaus
Die Surfer-Halbinsel
Sonnenuntergang und die Pansion
Der Ratsdelft in Emden
Das Große Meer und ein benachbarter Kanal
Der Yachthafen
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Ich möchte mich bei allen Lesern für das Interesse an meinen Büchern bedanken.
Alfred Bekker
In Kooperation mit Buchdeals - Impressum







